Neuigkeiten 2021_06 Buchempfehlung zur Jahreswende 2021/2022 - warum Gesellschaften überleben oder untergehen
Anregung zum Nachlesen und Nachdenken
Am Ende eines erneut intensiven Jahres fragen wir uns, wie es wohl weiter gehen mag.
„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ (Roger Willemsen †2016)
Wer wir waren - Film (Frühjahr/Sommer 2021) von Bauderfilm: Zukunftsrede von Roger Willemsen (S. Fischer Verlage)
Wie ein Brennglas, wie eine Lupe macht uns diese Pandemiezeit klar, was nicht in Ordnung ist, was krank macht: ein vielfacher Raubbau an dem Planeten, der uns beherbergt, an den Lebewesen, die diese Welt mit uns teilen, an den Mitmenschen in unserer unmittelbaren Umgebung und in der Ferne und letztendlich an uns selbst.
Es ist nicht so sehr die Pandemie, die uns gefährdet, es ist nicht einmal der Klimawandel, den wir auch hier in Deutschland zunehmend erleben, es ist das zunehmende Sterben der Lebewesen auf dieser Welt, das unser Handeln jetzt fordert. Wie Roger Willemsen schon 2015 schrieb und erzählte, gibt es längst das Wissen um die Probleme - und ihre Lösungen:
Yared Diamond erklärt uns in seinem Buch "Kollaps", warum Gesellschaften überleben oder untergehen.
Die überwucherten Tempelruinen von Angkor Wat, die zerfallenden Pyramiden der Maya in Yucatan und die rätselhaften Moai-Statuen der Osterinsel – sie alle sind stille Zeugen von einstmals blühenden Kulturen, die irgendwann verschwanden. Doch was waren die Ursachen dafür? Jared Diamond zeichnet in seiner erweiterten, faszinierenden wie hochaktuellen Studie die Muster nach, die dem Untergang von Gesellschaften (oder ihrem Überleben) zugrunde liegen, und zeigt, was wir für unsere Zukunft daraus lernen können. Infos: https://www.fischerverlage.de/buch/jared-diamond-kollaps-9783104034003
Matthias Glaubrecht gab seinem Buch den provokativen Titel "Das Ende der Evolution", in dem er vom Menschen und der Vernichtung der Arten berichtet.
Durch die Erkenntnis der Probleme wird uns klar, was wir beenden, verhindern, tun und verbessern müssen. Hilfreich als positive, motivierende Begleitung auf den Weg in das nächste Jahr/-zehnt sind hier z.B.
Frank Schätzing mit seinem Buch „Was, wenn wir einfach die Welt retten?"
Rezension Deutschlandfunk Kultur: https://www.deutschlandfunkkultur.de/frank-schaetzing-was-wenn-wir-einfach-die-welt-retten.1008.de.html?dram:article_id=495717
und
Dr. Eckart von Hirschhausen mit seinem Buch "Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben."
Rezension Deutschlankfunk: https://www.deutschlandfunk.de/eckart-von-hirschhausen-zum-klimawandel-lasst-uns-eine-100.html
Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch in ein liebevolles, glückliches, gesundes und erfolgreiches 2022!
Ihr Georg Gallenkemper
So schnell tickt die CO₂-Uhr → https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html
Die CO2-Uhr des MCC veranschaulicht, wieviel CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden darf, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5°C beziehungsweise 2°C zu begrenzen. Mit einem Klick kann man die Schätzungen für beide Temperaturziele vergleichen und sehen, wieviel Zeit im jeweiligen Szenario bleibt.
Ergänzung Februar 2022 - TAZ Buchrezension vom 6.2.2022
Die Welt ist noch zu retten
Robin Wall Kimmerer zeigt in ihrem Buch, wie indigenes Wissen und Naturwissenschaft eine Symbiose eingehen können.
Die Botanikerin und Ökologin Robin Wall Kimmerer reflektiert das Verhältnis von Mensch und Natur.Die US-amerikanische Botanikerin und Ökologin Robin Wall Kimmerer hat, wie so viele ihrer Landsleute, äußerst vielfältige Wurzeln, die in ihrem Fall teilweise bis nach Europa, vor allem aber weit in die Geschichte ihres Landes zurückreichen. Wall Kimmerer gehört der indigenen Nation der Potawatomi an.
Zum Thema ihres Buches „Geflochtenes Süßgras“, das auf außergewöhnlich ganzheitliche Weise das Verhältnis von Mensch und Natur reflektiert, gehört auch ihre eigene Lebenssituation als im positivistisch-naturwissenschaftlichen Geist gebildete Akademikerin, die im Laufe ihres Erwachsenenlebens Wege gefunden hat, das kategorisierende Denken der Wissenschaft und das auf Erfahrung und Naturbeobachtung basierende, überlieferte indigene Wissen miteinander zu verbinden.
Das geflochtene Süßgras aus dem Buchtitel ist eine zentrale Metapher sowie ein wichtiges Praxisbeispiel für gelungenes Zusammenleben, vielleicht könnte man es sogar „Symbiose“ nennen, von Mensch und Flora.
Das wildwachsende Süßgras von Nordamerika (verwandt mit in Europa bekannten Getreidearten), ein einst von indigenen Gemeinschaften auf sehr vielfältige Weise genutzter Rohstoff, ist in seinen Beständen dramatisch zurückgegangen. Wall Kimmerer berichtet von Forschungsarbeiten, die eindeutig belegt haben, dass dieser Rückgang jedoch keinesfalls auf übermäßige Ausbeutung der Bestände zurückzuführen ist, sondern im Gegenteil darauf, dass aus den bestehenden Flächen immer weniger entnommen wurde.
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mehr auf → https://taz.de/Bestseller-Geflochtenes-Suessgras/!5832874/
Robin Wall Kimmerer: „Geflochtenes Süßgras“. Aus dem Englischen von Elsbeth Ranke unter Mitarbeit von Wolfram Ströle und Friedrich Pflüger. Aufbau Verlag, Berlin 2021, 461 S., 24 Euro